Premiere des Festspiels «1810» zum 200-Jahr-Jubiläum von Buchs
- Januar 23rd, 2010
- Posted in 200 Jahre Buchs
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Text: Florian Müller [AZ 25.01.2010] 
200 Jahre Dorfgeschichte, das Einzelschicksal eines Soldaten und die konstante Suche nach Freiheit: «1810» schlägt eine Brücke von der Gegenwart in die Vergangenheit.
Wie ein ganz normaler Jubiläumsanlass beginnt die Premiere des Festspiels «1810»: Gemeindeammann Heinz Baur hält seine Ansprache, zu seiner Rechten steht eine überdimensionierte Festschrift zur Enthüllung bereit und die Kinder singen zufrieden «Buchs mir fiired . . .».
Weitere Bilder (Generalprobe) von Monika Brunner – Musicalverein Mutschellen
Doch plötzlich wird der Gemeindeammann vom falsch einsetzenden Kinderchor unterbrochen. Buchs wird von seiner 200-jährigen Geschichte eingeholt. Jakob Hediger, ein armer Tagelöhner von 1810, steigt aus dem riesigen Buch heraus und vertreibt zusammen mit anderen Zeitzeugen den Gemeindeammann Heinz Baur von der Bühne. Ein Text für Buchs Mit diesem gelungenen Auftakt integriert Autor Peter Locher den wirklichen Festanlass geschickt in sein historisches Stück und schlägt damit die erste Brücke von 2010 in die Vergangenheit. Der bekannte freischaffende Regisseur und Theaterpädagoge schrieb den Text des Stücks speziell für das Jubiläum in Buchs.
«Seit dem ersten Abend vermochte Peter Locher die Mitwirkenden für das Stück zu begeistern», erklärt Heidi Eichenberger, die im Festspiel eine Bäuerin von 1810 spielt. Diese Begeisterung überträgt sich auch auf den bis auf den letzten Platz gefüllten Gemeindesaal in Buchs. Je länger das Stück dauert, desto befreiter und überzeugender spielen die Schauspielerinnen und Schauspieler. Was ist Freiheit? Das Festspiel mit dem schlichten Titel «1810» zeigt die Wirren rund um die Buchser Loslösung von Suhr zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Ein Weibel tritt auf und erklärt Buchs als selbstständig, dies gemäss der ersten Gemeindeversammlung vom 30. Januar 1810. Doch die grosse Armut, Kriegsdienste für Napoleons Heer und vor allem der grosse Unterschied zwischen den reichen Bürgern und den armen, schuftenden Bauern machen der Buchser Bevölkerung das Leben schwer.
Während die einen in eleganten Kleidern und schwarzen Zylindern Elsässer Wein trinken, müssen sich andere mit dem Fusel Bibersteiner Fuchslöchler begnügen. Die schwierigen Umstände führen die Buchser Bevölkerung zur Frage, was denn eigentlich Freiheit bedeutet. Dialog der Jahrhunderte Neben dem Gefälle zwischen Arm und Reich und dem Abriss der zweihundertjährigen Gemeindegeschichte treten im Festspiel immer wieder die Jahre 1810 und 2010 miteinander in einen Dialog. So melden sich zum Beispiel die Kinder von 2010 zu Wort und stellen fest, dass die Erwachsenen schon immer alles besser wussten.
Neben dem Kinder- und Männerchor sowie der Harmoniemusik Buchs wirken 50 Schauspielerinnen und Schauspieler im Festspiel mit, wovon11 Kinder. «Vor dem Stück und am Anfang war ich etwas nervös, auf der Bühne war es aber nicht so schlimm», meint die Schülerin Seraina Saxer. Die Proben und Aufführungen von «1810» verbinden das ganze Dorf Buchs und mehrere Generationen miteinander. «Schade, dass wir nicht bald das 250-Jahr-Jubiläum feiern können », erklärt Heidi Eichenberger sichtlich begeistert. Die Schauspielerinnen und Schauspieler seien zu einer grossen Familie zusammengewachsen.
Die Liebe als Konstante Das Stück nimmt seine grosse Wende, als Jakob Hediger, der Soldat von damals, auf seine Nachfahrin Lisa, die Oberstufenschülerin trifft. Gibt es etwas, das durch alle Wirren der Geschichte Bestand hat? Mit einem weiteren exzellenten Lied, komponiert von Mario Bürki und gespielt von der Harmoniemusik Buchs, erhalten die Zuschauer eine Antwort auf diese Frage: «Was Liebe war, auch Liebe bleibt.»
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